Klarheit statt Bauchgefühl: Vertriebsrestrukturierung auf Datenbasis

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Friday, April 24, 2026

Wie ein europäischer Industriekonzern durch datenbasierte Talentanalyse seine Vertriebsorganisation restrukturierte und jährlich über 1 Mio. EUR einsparte

1. PROBLEMSITUATION:
Wachstum ohne Klarheit über Leistungsfähigkeit

Ein führender europäischer Industriekonzern mit Aktivitäten in 27 Ländern stand vor einer klassischen, aber kritischen Herausforderung: Die Vertriebsorganisation war historisch gewachsen, dezentral aufgebaut und in ihrer Struktur stark heterogen. Trotz stabiler Marktposition blieb die kommerzielle Performance hinter den Erwartungen des Top-Managements zurück.

Besonders problematisch war dabei nicht nur die Umsatzentwicklung, sondern die fehlende Transparenz über die tatsächlichen Leistungsfähigkeiten innerhalb des Vertriebsteams. Es gab keine einheitliche Sicht darauf,

  • welche Mitarbeiter welche kommerziellen Fähigkeiten besitzen,
  • wie Zeit tatsächlich im Vertrieb verwendet wird,
  • welche Rollen im Sinne von „Hunter“ und „Farmer“ effektiv besetzt sind,
  • und wo strukturelle Überkapazitäten oder Fehlallokationen bestehen.

Das Unternehmen wusste, dass Optimierungspotenzial existierte – jedoch nicht wo genau und in welchem Ausmaß. Klassische HR- und Performance-Daten reichten nicht aus, um fundierte strukturelle Entscheidungen zu treffen.

Die zentrale Herausforderung war somit nicht nur Performance, sondern Entscheidungsfähigkeit: Wie kann eine europäische Vertriebsorganisation mit mehreren tausend Kundenkontakten objektiv bewertet und gleichzeitig effizient neu ausgerichtet werden?

2. ZIELBILD:
Commercial Excellence durch Verschlankung und klare Rollenlogik

Gemeinsam mit dem Top-Management wurde ein klares Zielbild definiert, das über reine Kostensenkung hinausging:

  • Strukturelle Verschlankung der Organisation, ohne Verlust von Marktnähe oder Kundenqualität
  • Erhöhung der Vertriebseffizienz durch klare Rollenverteilung (Hunter vs. Farmer Logik)
  • Objektivierung von Leistungsfähigkeit auf Basis von Hard- und Soft-Skill-Daten
  • Benchmarking gegen Top-Performer der Industrie, um realistische Zielprofile zu definieren
  • Transparenz über tatsächliche Zeitverwendung im Vertrieb, um nicht-wertschöpfende Aktivitäten sichtbar zu machen

Im Zentrum stand dabei eine zentrale Frage:

Wie sieht eine optimale Vertriebsorganisation in dieser Industrie tatsächlich aus – gemessen an den besten 20% der Performer?

Das Ziel war nicht eine inkrementelle Verbesserung, sondern eine datenbasierte Restrukturierung, die Effizienz und Kostenstruktur fundamental neu ausrichtet.​

3. UNSER PROZESS UND PROJEKTANSATZ:
Commercial Talent Assessment als Entscheidungsgrundlage

Um diese Herausforderung zu adressieren, wurde ein umfassendes Commercial Talent Assessment implementiert. Dieser Ansatz kombinierte quantitative und qualitative Analysen und schuf erstmals eine durchgängige Transparenz über die gesamte Vertriebsorganisation.

Der Projektansatz bestand aus vier zentralen Bausteinen:

1. Hard Skill Assessment

Zunächst wurde das fachliche Kompetenzniveau der Vertriebsorganisation systematisch erhoben. Bewertet wurden unter anderem:​

  • Produkt- und Branchenwissen
  • Verkaufs- und Verhandlungskompetenz
  • Markt- und Wettbewerbsverständnis
  • Fähigkeit zur Kundenentwicklung

Die Bewertung erfolgte standardisiert und ermöglichte einen objektiven Vergleich über Länder, Teams und Funktionen hinweg.

2. Soft Skill Assessment

Ergänzend wurden zentrale Verhaltens- und Kompetenzdimensionen analysiert, die für kommerziellen Erfolg entscheidend sind:

  • Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit
  • Ergebnisorientierung
  • Eigenverantwortung und Selbststeuerung
  • Adaptionsfähigkeit in komplexen Vertriebsstrukturen

Damit wurde sichtbar, warum bestimmte Performance-Unterschiede existierten – und nicht nur, dass sie existieren.

3. Maßgeschneiderter Business Case

Alle Teilnehmer durchliefen einen unternehmensspezifischen Business Case, der reale Vertriebssituationen abbildete. Ziel war es, Entscheidungsverhalten unter realistischen Bedingungen zu analysieren.

Dabei lag der Fokus insbesondere auf:

  • Produkt und Profitabilität
  • Wachstum
  • Personal und Führung

Diese Komponente stellte sicher, dass nicht nur theoretisches Wissen, sondern tatsächliche kommerzielle Entscheidungsfähigkeit bewertet wurde.

4. Time Spent Analyse

Ein zentraler Hebel des Projekts war die detaillierte Analyse der Zeitverwendung im Vertrieb.

Die Ergebnisse zeigten klar:

  • Ein signifikanter Anteil der Arbeitszeit floss nicht in direkte Kundenaktivitäten
  • Administrative und interne Tätigkeiten waren überproportional hoch
  • Hochperformende Vertriebsmitarbeiter unterschieden sich weniger durch Arbeitszeit, sondern durch deren Fokus

Diese Transparenz war ein entscheidender Faktor für die spätere Reorganisation.​

4. OUTCOME:
Datenbasierte Restrukturierung mit messbarem finanziellem Effekt

Auf Basis der umfassenden Analyse wurde gemeinsam mit dem Unternehmen eine tiefgreifende Restrukturierung der Vertriebsorganisation entwickelt und umgesetzt.

Die Ergebnisse waren signifikant:

  • Reduktion der Vertriebsorganisation um rund 20%, basierend auf objektiven Leistungs- und Rollenanalysen
  • Jährliche Kosteneinsparung von über 1 Mio. EUR durch effizientere Struktur und geringere Overheads
  • Klare Neuausrichtung der Rollenverteilung, mit stärkerer Trennung zwischen Hunter- und Farmer-Funktionen
  • Erhöhte Vertriebseffizienz, da Ressourcen konsequent auf wertschöpfende Aktivitäten fokussiert wurden
  • Verbesserte Transparenz für das Management, insbesondere hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Kapazitätsverteilung

Besonders entscheidend war jedoch nicht nur die Kostenseite, sondern die qualitative Wirkung: Die Organisation wurde klarer, fokussierter und vergleichbarer. Entscheidungen über Personal, Rollen und Ressourcen konnten künftig datenbasiert und nicht mehr subjektiv getroffen werden.

5. FAZIT:
Restrukturierung braucht keine Annahmen – sondern Evidenz

Der Fall zeigt exemplarisch, wie große Industrieunternehmen von einer datenbasierten Commercial Talent Analyse profitieren können. In komplexen, international gewachsenen Vertriebsorganisationen sind es selten fehlende Einzelkompetenzen, sondern vielmehr strukturelle Ineffizienzen und unklare Rollenmodelle, die Performance begrenzen.

Durch die Kombination aus Hard- und Soft-Skill-Analysen, realitätsnahen Business Cases, Time-Spent-Transparenz und industriebezogenem Benchmarking konnte erstmals ein vollständiges Bild der Organisation geschaffen werden.

Das Ergebnis war keine theoretische Optimierung, sondern eine konkrete, umgesetzte Restrukturierung mit messbarem finanziellen Impact.

Für das Top-Management ergibt sich daraus eine klare Erkenntnis:
Commercial Excellence ist nicht nur eine Frage von Strategie – sondern von Transparenz über Menschen, Fähigkeiten und Zeitallokation.


Von Bauchgefühl zu Klarheit.

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